Die Geschenke unserer Pferde

Die Geschenke unserer Pferde

… kannst Du sie annehmen?

In diesem Sommer habe ich viel über die Geschenke unserer Pferde nachgedacht.

Der Grund dafür war, dass in meinem Garten so viele Sonnenblumen blühten. Hier und da und an den unglaublichsten Stellen. Große und kleine. Das Verrückte daran: Keine dieser Sonnenblumen habe ich selbst gepflanzt! Sie waren Geschenke der Vögel, die ich im Winter gefüttert hatte.

Während ich mich jeden Tag über die gelben Gesichter der Sonnenblumen freute, dachte ich darüber nach, dass wir Pferdemenschen unseren Pferden oft kaum die Möglichkeit geben, uns etwas zu schenken. Wir haben so viele Erwartungen und Ansprüche an sie, wollen so vieles kontrollieren, vorgeben und gestalten, dass wir kaum wahrnehmen, wie viele Samen sie für ganz viel Schönes setzen.

Lassen wir doch mehr Geschenke unserer Pferde zu!

Es braucht mehr Freiheit und Gestaltungsraum für unsere Pferde, etwas mehr Zurücknahme von uns, Geduld und Offenheit auf unserer Seite, damit Pferde sich wieder zu schenken trauen und dass die von ihnen gesetzten Samen erblühen und uns erfreuen können.

Seit ich mich mehr auf die Geschenke unserer Pferde einlasse, gibt es so viel zu staunen. Deshalb frage ich:

„Wie offen bist Du für die Geschenke Deines Pferdes?“

Nimm diese Frage einmal mit in den Stall und spür ihr nach.

Lesetipp: Versteh Dein Pferd

Die Welt der Pferde

Die Welt der Pferde

… wir könnten viel mehr davon gebrauchen

Letzte Woche, nachdem ich endlich meinen neuen Kurs Versteh Dein Pferd fertiggestellt hatte, fuhr ich zur Sommerweide, in die paradiesische kleine Welt der Pferde. Nicht, um etwas mit Anthony zu machen, sondern um ein bisschen aufzutanken, neue Energie zu schöpfen und mich einfach an den Pferden zu erfreuen.

Genau das ist etwas, das ich mir in den letzten Jahren erobert habe: zweckfrei und ziellos zu meinem Pferd zu fahren. Zum einen kann ich mit Anthony eh keine Pläne machen, denn je mehr Plan ich im Kopf habe, desto weniger wird es etwas werden. Zum anderen aber ist mir auch klar geworden, dass ich viel zu oft ganz viel Alltagsdruck mit zum Pferd genommen hatte.

Seitdem ich meine Ansprüche an mich und an mein Pferd immer mehr loslassen kann, nehme ich wahr, dass die Welt der Pferde eine so ganz andere ist, als die von uns Menschen. In so einer kleinen Herde gibt es kein Vergleichen, kein „besser“ oder „schlechter“. Es gibt keine Ziele, keine Vorgaben, keine Leistungsansprüche. Dafür gibt es unmittelbares Sein und ein lebendiges Wir, das sich immer wieder neu formt.

Das zu beobachten und zu erspüren, ist so spannend und bereichernd und bringt mich den Pferden auf eine ganz andere Art näher als bisher. Und das ist das, was für mich echtes Verstehen bedeutet und was ich so gerne vermitteln möchte: Immer ein bisschen mehr darüber zu verstehen, was Pferde wirklich ausmacht – und immer mehr von ihnen zu lernen. Wir Menschen könnten sooo viel mehr Pferdsein gebrauchen, denke ich …

Wenn Ziele verbissen machen

Wenn Ziele verbissen machen

Erwartest Du zu viel?

Für viele von uns besteht Erfolg im Setzen und Erreichen von Zielen. Ohne Ziele, so glauben viele, kommt man nicht weiter. Und in unserer erfolgsorientierten Gesellschaft werden Ziele zunehmend ernsthaft und fast verbissen verfolgt – immer öfter, als würde gleichsam das Überleben davon abhängen. 

Genau das ist ein Punkt, den ich im Zusammensein mit Pferden gelernt habe: dass Ziele uns und anderen das Leben auch ganz schön schwer machen und viel Leid erzeugen können. Und zwar geschieht das dann, wenn die Ziele wichtiger werden als die beteiligten Wesen, also man selbst oder eben Tiere oder auch andere Menschen. In der Reiterwelt lässt sich leider sehr oft beobachten, dass die Pferde unter den gesetzten Zielen ihrer Menschen leiden müssen, aber das Prinzip gilt auch für viele andere Bereiche im Leben und betrifft Kinder, Teampartner und viele andere.

Ziele zu formulieren und sie gerne erreichen zu wollen, ist zunächst ja tatsächlich etwas Gutes. Schwierig und vor allem fragwürdig wird es aber dann, wenn aus Zielen Erwartungen werden, wenn wir also davon überzeugt sind, sie auf jeden Fall erreichen zu müssen und das als eine Art „gutes Recht“ ansehen. Dann bekommen unser Wille und/oder Ehrgeiz eine bedenkliche Eigendynamik, durch die es passieren kann, dass wir nicht nur gegen das Leben, sondern vor allem auch gegen die Wesen zu kämpfen beginnen, die wir eigentlich lieben (und es nicht einmal merken).

Ein Ziel zu haben, heißt weder, dass es eine Verpflichtung noch eine Garantie gibt, es auch wirklich zu erreichen, egal wie viel wir dafür tun oder wie sehr wir es auch wollen. Manchmal hat das Leben einfach andere Dinge für uns vor. Ich kämpfe heute nicht mehr mit dem Leben, denn ich habe schon oft die Erfahrung machen können, dass Verbissenheit pures Gift sein kann und dass es immer etwas Gutes hatte, wenn ich nicht erreicht oder bekommen habe, was ich wollte. Erreiche ich ein Ziel nicht, hebe ich es für später mir auf oder ich lasse es los und schau, was stattdessen auf mich wartet. 

Nicht zu verbissen werden

Unbeschwertheit

Unbeschwertheit

oder: Die Kunst des Loslassens

Für Wege zum Pferd hatte ich vor einigen Tagen dieses Zitat von mir in den sozialen Medien eingestellt:

„Unbeschwertheit erreichen wir nicht durch Wollen,
sondern durch Loslassen.“

Diese Erkenntnis habe ich meinem Anthony zu verdanken, denn bei ihm gab es für mich an vielen Stellen nur die Möglichkeit des Loslassens: das Loslassen von Erwartungen und Forderungen, von Zielen und Vorhaben und auch von Wünschen und Bedürfnissen. Und das war verdammt schwer – … so lange, bis es leichter wurde.

Ich durfte die Erfahrung machen, dass es das war, was ich festhielt, das so schwer wog und dass es für mich tatsächlich immer leichter wurde, je mehr ich loslassen konnte. Rational ist einem das natürlich klar, aber wirklich die Erfahrung zu machen, ist nochmal etwas ganz anderes. Unerfüllte Erwartungen, unerreichbare Ziele und ungestillte Wünsche können endlos schwer wiegen und sie können hart und bitter machen. Sich von ihnen zu befreien hingegen, kann Türen zu ganz neuen Wegen und Erfahrungen öffnen.

Ja, klar, manches fehlt mir bis heute (zum Beispiel so ein wundervoller Ritt wie auf dem Foto weiter unten), aber dafür bekomme ich inzwischen so viel anderes von meinem Pferd, dass ich mich ganz satt und reich fühle – und immer öfter tatsächlich unbeschwert!

Vielleicht können Euch meine Zeilen Mut machen, das Loslassen zu wagen, und ganz offen und zuversichtlich zu schauen, was dann auf Euch wartet. Möglicherweise ist es, so wie bei mir, die wahre und ganz zauberhafte Persönlichkeit Eures Pferdes, das Euch so viel zu geben hat.

Lachen und weinen

Lachen und weinen

Über die Trauer

Die Trauer ist schon ein seltsames Wesen – so veränderlich, so unberechenbar und so mächtig. Sie kommt und geht, wie es ihr beliebt, und sie liegt irgendwie vollkommen außerhalb des normalen Zeitempfindens. Heute vor fünf Jahren habe ich meinen Aramis gehen lassen müssen, doch an manchen Tagen schmerzt es noch so, als wäre es gerade erst gestern gewesen…

„Weine nicht, weil es vorbei ist,
sondern lächle weil es so schön war.“

Gabriel García Marquez

Über dieses Zitat habe ich viel nachgedacht. Es berührt mich und es bewegt mich sehr. Ja, ganz oft kann ich lächeln und sogar lachen, weil es so schön gewesen war mit diesem wundervollen Pferd und weil ich für jeden Moment, den ich mit ihm erleben durfte, zutiefst dankbar bin. Aber manchmal, da will ich und da muss ich weinen, weil es so wehtut, und auch das darf sein. Ich habe keine Angst mehr vor dem Schmerz, denn ich kenne ihn inzwischen sehr gut. Ich lasse ihn zu, denn ich weiß, ich kann ihn aushalten und er gehört zu mir.

Die Trauer hat viele Gesichter, so, wie es auch die Liebe hat und das Leben selbst. Und ich spüre ganz tief, wie gut es ist, dass wir lachen UND weinen können, ja dass wir fühlen können – Glück und Freude, Schmerz und Trauer und alles dazwischen und noch viel mehr.