Cordulas Weg

Lucky und Jamiroquai …

Meine Mutter hat immer gesagt, ich hätte schon Reiten gespielt, da konnte ich noch nicht mal richtig laufen. Und weil ich das ganze Zimmer voller Pferdebilder hatte und jede einzelne Pferdepostkarte gesammelt habe, hat mir mein Onkel Robert Vavras Buch „Das Equus“ zum sechsten Geburtstag geschenkt. Die Bilder waren pure Magie für mich. Die Liebe zum Pferd unendlich…

Leider riet der Orthopäde, der mein Hohlkreuz heilen sollte, davon ab, zu reiten. Es sei schädlich für die Wirbelsäule. Also bekam ich ein Klavier zum Trost. Gut 23 Jahre später hatte ich Rückenschmerzen, Verspannungen und eine Muskeldysbalance von der Arbeit. Der neue Orthopäde meinte dann: gehen Sie reiten, das ist super für die Wirbelsäule!

Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen – mit 29 die erste Reitstunde – ich war im siebten Himmel. Ein gewisses Talent war auch da und da Volljährige mit Führerschein und ohne Pferd im Stall eher die Seltenheit sind, hatte ich schnell Angebote, Reitbeteiligungen zu übernehmen.

Ich habe Vollblüter geritten, Hengste, Turnierpferde…und was soll ich sagen – hätte am liebsten die Reithose an den Nagel gehängt. Den meisten Pferden ging es nicht wirklich gut. Sie gingen klamm, durften nicht auf die Koppel, waren rappelmager oder konnten nicht mal Hufe geben. Die Boxen stanken nach Ammoniak, das Heu war oft schimmlig, der Tierarzt Dauergast und Bereiter und Besitzer fluchten ob der schlechten Rittigkeit und des Starrsinns der Tiere.

Aber ich hatte doch die Bilder von Robert Vavra im Kopf… – wie konnte es sein, dass diese magischen Schönheiten nur noch Schatten ihrer Selbst sein durften? Eingepfercht auf neun Quadratmeter, stinkend nach Mist, unwillig und mit Hilfszügeln und Sporen in Formen gepresst, die man allenfalls als Krampf bezeichnen konnte.

Ich weiß, man kann sie nicht alle retten… Auch wenn ich immer versucht habe, es allen Pferden, für die ich etwas tun konnte, so schön wie möglich zu machen. Doch der Frust war zu groß und ich beendete das Reiten auf fremden Pferden und machte mich auf die Suche nach dem einen Pferd, das ich so halten konnte, wie ich es für richtig halte.

Lucky kam mit knapp 10 Monaten zu mir. Ein Vollblut-Mix mit einem unberechenbaren Temperament, schiefen Hufen und null Erziehung. Mein Lehrmeister, Vertrauter und mein blauer Himmel.

Er hat unser Leben verändert, meine Träume erfüllt, meine Seele und meinen Körper getragen und aus mir einen so viel besseren Pferdemenschen gemacht. Wir sind einen teilweise sehr steinigen und anstrengenden Weg miteinander gegangen. Aber ich habe niemals aufgegeben, mich für ihn anzustrengen.

19 Jahre später muss ich ihn gehen lassen. Obwohl er immer so gelebt hat, wie es die Tierklinik nach der Diagnose Magenball empfiehlt (Offenstall, Heu 24/7), hat er nur wenige Wochen nach dem Auflösen der Verstopfung ein Rezidiv. Ja, loslassen müssen ist genau so schlimm, wie man es immer befürchtet. Die Lücke ist so grausam groß.

Meine Freundinnen drängen mich, so schnell wie möglich wieder ein Pferd zu holen, und da mein schöner Stallplatz nicht ewig freigehalten werden konnte, setzte ich mich in Bewegung und fing an, einen Nachfolger zu suchen und fand Jamiroquai (übersetzt: der „Schöne“ und „der Trost“).

Einen Dreijährigen mit 50 zu kaufen …, super Idee Leute, macht das bloß nicht, das gibt ein paar fiese blaue Flecken. Man vergisst, wie es war, einen Rüpel zu erziehen.
Aber ich hatte Glück und Hilfe und drei Jahre später ein Verlasspferd, das Lucky in vielem so ähnlich ist, dass ich mir überlege, vielleicht doch an Reinkarnation zu glauben…

Wir haben hoffentlich noch viele Jahre vor uns und ich bin gespannt, was sie bringen werden. Auf jeden Fall habe ich ihm eine liebe Patentante gesucht, im Fall er wird über 30 und ich kann mit über 80 nicht mehr so, wie ich will…

Das Schönste ist die Gewissheit, dass mich meine Pferde bis ins hohe Alter begleiten werden, denn merke: es kommt nicht darauf an, wohin der Weg führt oder wie er beschaffen ist, sondern wer einen begleitet.

Sind unsere Bilder nicht auch ein bisschen magisch? 😉

Lieben Gruß,
Cordula

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